Fragen und Antworten

Organisierte oder private Unterbringung

Welche Möglichkeiten gibt es Flüchtlinge unterzubringen?

Organisierte Unterbringung

Wenn Sie über eine geeignete Immobilie in Österreich verfügen und im Auftrag des zuständigen Bundeslandes ein organisiertes Flüchtlingsquartier selbst führen möchten, können Sie mit dem Bundesland direkt einen Betreuungsvertrag abschließen. Sie sind dann für die Unterbringung und Versorgung der AsylwerberInnen verantwortlich. Sie erhalten dafür das im Vertrag festgelegte Entgelt für die Unterbringung und Versorgung von AsylwerberInnen. In den jeweiligen Bundesländern sind die Grundversorgungsstellen für die organisierte Unterbringung zuständig.

Private Unterbringung

Wenn Sie kein Flüchtlingsquartier führen wollen, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Immobilie entweder direkt an Flüchtlinge oder an einen Vertragspartner (z.B. eine NGO) des jeweiligen Bundeslandes, der sich auf die Betreuung und Versorgung von AsylwerberInnen spezialisiert hat privat zu vermieten bzw. zu verpachten.  Alle weiteren Informationen zur privaten Unterbringung finden Sie hier.

Was versteht man unter organisierter Unterbringung?

Wenn sie über größere Räumlichkeiten in Österreich verfügen, können Sie diese als organisierte Unterkunft für AsylwerberInnen führen. Verträge werden hierfür mit dem Bundesland abgeschlossen, in dem Ihre Immobilie liegt.  Sowohl Gastgewerbebetriebe, Firmen, NGOs als auch Private können mit dem Bundesland Verträge zur Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen abschließen.*

Dabei können verschiedene Versorgungsformen (Vollversorgung, Teilversorgung, Selbstversorgung) vereinbart werden. Je nach Versorgungsform ist der / die QuartiergeberIn für mehr oder weniger Versorgungsleistungen zuständig.

Die Höhe des Entgelts hängt von den angebotenen Verpflegungsleistungen ab. QuartierbetreiberInnen erhalten das vereinbarte Entgelt direkt vom Bundesland.

Sowohl NGOs als auch Firmen und Private können organisierte Quartiere in Österreich betreiben.* Bei privaten Betreibern erfolgt üblicherweise eine mobile soziale Betreuung durch NGOs. MitarbeiterInnen dieser Einrichtungen besuchen die AsylwerberInnen vor Ort in den Asylquartieren.

*In Wien werden Verträge für organisierte Unterkünfte nicht mit Privatpersonen, sondern nur mit Vereinen oder NGOs abgeschlossen. Wollen Sie als Privatperson ein Quartier in Wien errichten, dann können Sie Ihre Immobilie an eine NGO, die Flüchtlingsunterkünfte anbietet, privat vermieten.

Was versteht man unter privater Unterbringung?

Sie können Wohnraum auch direkt an Flüchtlinge vermieten. Das bietet sich vor allem bei kleineren Wohneinheiten (einzelne Wohnungen, Zimmer) an. Dabei spricht man von privater Unterbringung.

Im Gegensatz zur organisierten Unterbringung haben private VermieterInnen gegenüber den untergebrachten Flüchtlingen keinerlei Verpflegungs- und Betreuungsverpflichtungen.

In diesem Fall schließen Sie als VermieterIn mit dem / der AsylwerberIn direkt einen Mietvertrag ab. In manchen Fällen werden Mietverträge mit einer Betreuungsorganisation abgeschlossen, die den Wohnraum Flüchtlingen zur Verfügung stellt.

Die Miete wird bei der privaten Unterbringung direkt von den untergebrachten Flüchtlingen bezahlt. AsylwerberInnen erhalten monatlich insgesamt max. 320 Euro, Asylberechtigte max. 828 Euro zur Deckung aller Lebenshaltungskosten (mehr dazu). Wie viel Miete für die Unterbringung verlangt werden kann, hängt damit vom Asylstatus und der Anzahl der Flüchtlinge ab (mehr dazu).

Ab welcher Größe kann man ein Quartier (organisierte Unterbringung) anbieten?

Ab welcher Größe (Personenanzahl) eine Immobilie für die organisierte Unterbringung geeignet ist, hängt vom Bundesland ab. Wenden Sie sich an die Grundversorgungsstelle Ihres Landes, um zu erfahren, ob Ihr Objekt zur organisierten Unterbringung genutzt werden kann oder sich doch eher für die private Unterbringung eignet.

Mindestgröße für ein organisiertes Quartier (Personenanzahl) in Österreich

  • Burgenland: keine Begrenzung
  • Niederösterreich: keine Begrenzung
  • Kärnten: 15
  • Oberösterreich: 15
  • Salzburg: 5
  • Steiermark: 10
  • Tirol: 4
  • Vorarlberg: 25
  • Wien: keine Begrenzung
  • Bundesquartiere: 80

Die Grundversorgungsstelle Ihres Bundeslandes finden Sie hier.

Voraussetzungen für Quartiere

Welche Mindestvoraussetzungen muss der Wohnraum bei organisierten Quartieren erfüllen?

Bei der organisierten Unterbringung müssen einige Vorgaben berücksichtigt werden. Diese Richtlinien dienen dazu, die Qualität der Unterkünfte in Österreich zu gewährleisten. Dabei handelt es sich lediglich um Mindestanforderungen. Es ist daher wünschenswert, dass den BewohnerInnen von Quartieren eine bessere Wohnqualität als die im Weiteren angeführten Mindeststandards geboten wird.

Zustand der Immobilie

Die Quartiere müssen über eine aufrechte Genehmigung im Sinne der Bauordnung verfügen. Verschimmelte oder verschmutzte Quartiere werden abgelehnt.

Wohnbereich

Für eine Person muss das Zimmer zumindest 8 Quadratmeter groß sein, für jede weitere Person sollen 4 Quadratmeter hinzu gerechnet werden. Maximal 5 alleinstehende Personen können sich ein Zimmer teilen. Die Mindestausstattung eines Zimmers umfasst: Bett, Bettwäsche, Garderobe, Tisch, Sessel, Kasten. Die Zimmer sollten jeweils versperr- und ausreichend beheizbar sowie nummeriert sein.

Sanitäranlagen

Eine Dusche, ein Waschtisch und eine WC-Anlage muss für je höchstens zehn Personen zur Verfügung stehen. Die Sanitäranlagen müssen zu versperren und hygienisch einwandfrei sein. Werden die Sanitäranlagen gemeinschaftlich genutzt, müssen sie nach Geschlechtern getrennt sein. Dies gilt besonders bei Räumen, in denen mehrere Sanitäranlagen vorhanden sind (z.B.: Gemeinschaftsduschen). Befinden sich die Sanitäranlagen jedoch in den Wohneinheiten, ist eine Trennung nicht notwendig. Warmwasser für die Körperhygiene ist jedenfalls während der Zeit von 6 bis 22 Uhr im angemessenen Ausmaß zur Verfügung zu stellen.

Gemeinschaftsräume

Die Unterbringung sollte auch über einen Raum verfügen, der für alle BewohnerInnen nutzbar ist. Sind die Wohnräume kleiner als 9,6m² für eine Person bzw. 4,8m² für jede weitere Person ist ein Gemeinschaftsraum verpflichtend. Die Fläche muss ganzjährig benutzbar sein. Befinden sich Kinder in der Unterkunft muss ein Spielzimmer oder ein Spielplatz zur Verfügung stehen. Alternativ reicht auch eine leicht erreichbarer öffentlicher Spielplatz. Den BewohnerInnen muss der Zugang zu einem Fernsehgerät im Gemeinschaftsraum oder in den Wohneinheiten ermöglicht werden.

Küchen

Bei Teil- oder Selbstversorgungs-Quartieren muss für je maximal 10 BewohnerInnen eine Kochgelegenheit vorhanden sein. Diese muss zumindest aus einer Kochplatte mit 4 Feldern, einem Backrohr, einem Kühlschrank mit Gefrierfach, einer Spüle,  Küchenkästen und Geschirr bestehen. In Vollversorger-Quartieren sind keine Küchen erforderlich.

Diese “Mindeststandards betreffend der Unterbringung in der Grundversorgung in Österreich” wurden von allen LandesflüchtlingsreferentInnen festgelegt. Diese Standards sind in manchen Bundesländern jedoch höher. Für weitere Informationen zu den Mindestanforderungen für die organisierte Unterbringung in Ihrem Bundesland lesen Sie die Zusammenfassung des Österreichischen Städtebunds und informieren Sie sich bei der zuständigen Grundversorgungsstelle.

Welche Voraussetzungen gibt es an die Lage der Unterkunft?

Unterkünfte für Flüchtlinge in Österreich sollten nicht allzu abgelegen sein. Täglich notwendige Einrichtungen, wie ein Supermarkt, Schulen und Kindergärten sollten zu Fuß oder kostenlos erreichbar sein. Zwingend notwendig ist eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, damit auch fernere Ziele, wie Beratungsstellen und Ärzte, aufgesucht werden können. Ohne gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr wäre eine private Mobilitätshilfe notwendig. Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sollten mitberücksichtigt werden.

Versorgung & Betreuung

Unter welchen Versorgungsformen können QuartierbetreiberInnen auswählen?

Wenn man eine organisierte Unterkunft in Österreich führen will, muss man entscheiden, welche Leistungen man anbietet. Vom Umfang der Versorgungsleistung hängt einerseits die Verantwortung gegenüber den BewohnerInnen und andererseits die Höhe des Entgelts ab. Daher sollte man grundsätzlich überlegen, welche der drei Versorgungsformen man wählt:

  • In der Vollversorgung erhalten BewohnerInnen täglich drei vollwertige Mahlzeiten. Auch die notwendigen Hygieneartikel werden hier von den QuartiergeberInnen bereitgestellt. Der Betreuungsaufwand ist in der Vollversorgung daher am höchsten.
  • In der Teilversorgung werden die BewohnerInnen mit Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel versorgt. Sie kochen jedoch selbstständig. Daher ist eine Küche (je 10 BewohnerInnen) erforderlich.
  • In der Selbstversorgung verpflegen sich die BewohnerInnen selbstständig über ein Versorgungsgeld von bis zu 5,50 € pro Tag. QuartierbetreiberInnen stellen die Infrastruktur (z.B. Küchen) für die Selbstversorgung zur Verfügung. Weitere Versorgungsleistungen sind hier nicht erforderlich.

Die Entscheidung der Versorgungsleistung sollte sich somit daran orientieren, welches Angebot man garantieren kann. Einer Gastwirtschaft wird es zum Beispiel leichter fallen drei Mahlzeiten am Tag anzubieten (Vollversorgung), als für je 10 Personen eine Küche einzurichten (Teil-, Selbstversorgung). Bei der Umfunktionierung eines Wohnhauses in eine Flüchtlingsunterkunft verhält es sich vermutlich anders. Hier wären vermutlich die erforderlichen Küchen für die Selbstversorgung bereits vorhanden, während eine Vollversorgung aller BewohnerInnen ohne Großküche schwieriger wäre.

Da nicht jede Versorgungsform in jedem Bundesland gewählt werden kann, sollte man sich zuvor bei der zuständigen Grundversorgungsstelle informieren. Zum Beispiel kann man sich in Niederösterreich nur zwischen der Vollversorgung und der Selbstversorgung entscheiden.

Welche Anforderungen gibt es bei der Verpflegung der BewohnerInnen?

Nur in Quartieren mit Vollversorgung müssen die BewohnerInnen vollständig verpflegt werden. In allen anderen Versorgungsformen bereiten sich die BewohnerInnen ihr Essen selbst zu.

Entscheiden sich QuartierbetreiberInnen die Versorgung der BewohnerInnen zu übernehmen, dann müssen sie täglich abwechslungsreiche und ausgewogene Kost anbieten. Bei der Zubereitung von Speisen sollte daher auf ausreichend Fleisch, Obst, Gemüse und Milchprodukte geachtet werden. Auch auf religiöse Essensvorschriften, VegetarierInnen und VeganerInnen muss Rücksicht genommen werden.

In der Vollversorgung erhalten AsylwerberInnen täglich drei vollwertige Mahlzeiten, wobei zumindest eine davon eine warme Mahlzeit sein muss. Auch Getränke (zumindest Wasser und Tee) müssen in ausreichenden Mengen zur Verfügung gestellt werden.

Da eine gute Verpflegung zur Gesundheit der BewohnerInnen und zu einer positiven Atmosphäre in den Quartieren beiträgt, sollten die Mindestvoraussetzungen nach Möglichkeit übertroffen werden.

Welche Betreuungsleistungen müssen BetreiberInnen eines organisierten Quartiers garantieren?

Als QuartierbetreiberIn eines organisierten Quartieres ist man nicht nur für die Unterbringung und die Versorgung sondern auch für die Betreuung der AsylwerberInnen zuständig. Bei der Betreuung der BewohnerInnen geht grundsätzlich darum, die BewohnerInnen bei Fragen des Alltags und bei Behördengängen zu unterstützen:

  • Der / die Quartierbetreibende (oder eine Vertretung) hat für die BewohnerInnen für Notfälle telefonisch rund um die Uhr erreichbar zu sein. Ab 50 BewohnerInnen muss mindestens eine Betreuungsperson rund um die Uhr vor Ort anwesend sein.
  • Die QuartierbetreiberInnen unterstützen die BewohnerInnen bei der An- und Abmeldung nach dem Meldegesetz und bei anderen Behördengängen bzw. Terminen.
  • Zudem sind die QuartierbetreiberInnen für die Beratung der untergebrachten Personen in Alltagsfragen (Hausordnung, Kindergarten, Schule, Sicherheit, etc.) und für die Erstorientierung der AsylwerberInnen vor Ort verantwortlich.

Müssen QuartiergeberInnen auch für Beratungen und Kurse ihrer BewohnerInnen Sorge tragen?

Als QuartierbetreiberIn sind Sie grundsätzlich nicht für die Abhaltung von Beratungen und Kursen verantwortlich. Einzig in Bezug auf Alltagsfragen sind QuartierbetreiberInnen verpflichtet, ihre BewohnerInnen zu beraten.

Weitere Betreuungsleistungen (z.B.: Psychologische Betreuung, Rechtsberatung, Sozialberatungen etc.) oder mögliche Sprachkurse werden von Betreuungsorganisationen übernommen. Bei der zuständigen Grundversorgungsstelle können Sie Informationen über Organisationen einholen, die Kurse und Beratungen für AsylwerberInnen in Ihrem Bundesland anbieten.

Finanzen

Welches Entgelt bekommt man als QuartiersbetreiberIn für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen?

BetreiberInnen eines organisierten Quartiers für AsylwerberInnen erhalten derzeit maximal 21 Euro pro AsylwerberIn und Tag.

Hierbei handelt es sich um keinen Pauschalbetrag sondern um einen Tageshöchstsatz. Das tatsächlich ausgezahlte Entgelt ist an bestimmte Kriterien (z.B.: Versorgungsform, Betreuungsumfang, …) gebunden und kann von Bundesland zu Bundesland variieren. Das Entgelt wird im Vertrag mit dem Land festgelegt.

Orientierungswerte für das Entgelt 

(Stand: Juli 2016)

  • Vollversorgung: Tageshöchstsatz von 21 Euro pro AsylwerberIn für Versorgung und Unterbringung.  Die Flüchtlinge bekommen zusätzlich ein monatliches Taschengeld von 40 Euro vom Land.
  • Teilversorgung: Tageshöchstsatz von 21 Euro pro AsylwerberIn. Die Teilversorgung kann verschieden geregelt sein. Üblicherweise müssen vom Tagessatz 110 Euro monatlich an die BewohnerInnen weitergegeben werden. Damit ist in der Teilversorgung mit einem Tagessatz von maximal ca. 15,30 Euro zu rechnen. Die Flüchtlinge bekommen zusätzlich ein monatliches Taschengeld von 40 Euro vom Land.
  • Selbstversorgung: Tagessätze von 10 Euro in Kärnten, über 11 Euro im Burgenland, 12 Euro in der Steiermark und 12,50 Euro in Salzburg bis hin zu 13,50 Euro in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Vorarlberg. In Tirol hängt das Entgelt für Unterkünfte mit Selbstversorgung von der Qualität und Größe des Quartiers ab. Die BewohnerInnen erhalten zusätzlich ein Verpflegungsgeld von bis zu 5,50 Euro am Tag vom Land, jedoch kein Taschengeld.

Je mehr Versorgungsleistungen man als QuartiergeberIn anbietet, desto höher ist das Entgelt.

Werden Sanierungs- bzw. Renovierungskosten erstattet?

Sanierungs- bzw. Renovierungskosten werden durch das Land nicht erstattet. Objekte müssen bei der vertraglichen Einigung die Kriterien und Voraussetzungen von organisierten Quartieren bereits erfüllen, bzw. bei Einzug müssen die notwendigen Renovierungsarbeiten bereits durchgeführt sein. Sind die Räumlichkeiten nicht in hygienisch, baulich, etc. einwandfreiem Zustand, wird das Objekt als Quartier abgelehnt.

Bei bereits bestehenden Quartieren werden laufende Sanierungs- bzw. Renovierungskosten über den – vom Bundesland bezahlten – Tagessatz beglichen.

Rechte & Pflichten

Auf welche Laufzeit werden organisierte Unterkünfte vereinbart?

Die Bestandsdauer von organisierte Unterkünften werden in den Verträgen mit den Ländern festgelegt. Wie lange Sie Ihr Objekt als Flüchtlingsquartier führen können, hängt somit von den geschlossenen Vereinbarungen ab. Die zeitlichen Vorgaben sind hierbei in der Regel eher locker:

  • Die maximale Dauer einer Unterkunft hängt vor allem vom Bedarf an organisierten Wohnraum für Flüchtlinge ab. In keinem Bundesland gibt es Auslastungsgarantien, die die Zuteilung von AsylwerberInnen in das Quartier über bestimmte Zeiträume garantieren. Ein Quartier kann daher nur solange wirtschaftlich bestehen, solang BewohnerInnen zugeteilt werden. Mit der aktuellen Situation lässt sich jedoch noch länger kein Ende des Bedarfs abschätzen.
  • Die minimale Dauer einer Unterkunft hängt von den Kündigungsfristen ab, die in den jeweiligen Verträgen mit den Bundesländern festgelegt werden. Beispielsweise besteht in Niederösterreich eine einmonatige Kündigungsfrist für das Land und eine sechsmonatige Kündigungsfrist für QuartierbetreiberInnen. Organisierte Unterkünfte müssen hier demnach mindestens ein halbes Jahr bestehen, sofern das Land den Vertrag nicht von sich aus früher kündigt.

Habe ich Einfluss darauf, welche AsylwerberInnen mir durch das Land zugeteilt werden?

Bei organisierten Quartieren besteht keine Möglichkeit bestimmte Personen oder Personengruppen (z.B. nach Alter, Nationalität, Religion, etc.) auszuwählen. Die AsylwerberInnen werden durch das Land zugeteilt.

Bei der privaten Unterbringung ist es eher möglich eine bestimmte Person und / oder Personengruppe zu beherbergen. Dies gilt vor allem dann, wenn Verträge direkt zwischen VermieterIn und AsylwerberIn abgeschlossen werden.

Welche Pflichten haben QuartierbetreiberInnen?

  • Die QuartierbetreiberInnen verpflichten sich die vertraglichen Vorgaben für Unterbringung, Versorgung und Betreuung einzuhalten.
  • Die Unterkünfte haben die erforderlichen baulichen, technischen und organisatorischen Kriterien zu erfüllen. (Siehe dazu die Voraussetzungen für den Wohnraum und die Lage)
  • Die BetreiberInnen sind für die Aufrechterhaltung der Sauberkeit, Ordnung und Ruhe verantwortlich und sind verpflichtet die Quartiere eigenverantwortlich und laufend auf die Einhaltung der bau-, feuer- und sanitätspolizeilichen Vorschriften zu prüfen.
  • Quartierbetreibende haben die Aufgabe eine Hausordnung  mit den Rechten und Pflichten der BewohnerInnen zu erstellen. Eine Vorlage für die Hausordnung in den erforderlichen Sprachen kann bei der zuständigen Grundversorgungsstelle angefragt werden.
  • Den BewohnerInnen sind relevante Informationen (Asylverfahren, Hausordnung, Notrufnummern, Notfallpläne, etc.) in jenen Sprachen zugänglich zu machen, die die BewohnerInnen verstehen.

Welche Rechte und Pflichten haben AsylwerberInnen?

  • AsylwerberInnen haben während des laufenden Asylverfahrens und bis zu vier Monate nach Erhalt eines positiven Asylbescheides Anspruch auf die vorgesehenen Leistungen der Grundversorgung, dafür haben sie sich dem Asylverfahren zu stellen.
  • Die BewohnerInnen haben sich an die Hausordnung zu halten und sind grundsätzlich für die Reinigung ihrer Räumlichkeiten verantwortlich.
  • Es besteht eine Meldepflicht gegenüber der Grundversorgungsbehörde.
  • AsylwerberInnen im schulpflichtigen Alter (bis 15 Jahre) sind in Österreich schulpflichtig und es gilt das verpflichtende letzte Kindergartenjahr.

Was passiert, wenn sich einzelne BewohnerInnen nicht an die Hausordnung halten?

Wird die Hausordnung von einzelnen BewohnerInnen nicht eingehalten so ist dies der Grundversorgungsstelle des Bundeslandes mitzuteilen. Verstöße gegen die Hausordnung können zur Entlassung aus dem Quartier führen. Bei kriminellen Handlungen kommt es zu polizeilichen Anzeigen.

Ansprechpartner

An wen muss man sich wenden, um ein Quartier anzubieten?

Mögliche Quartiere können bei der Grundversorgungsstelle des jeweiligen Bundeslandes gemeldet werden. Bitte beachten Sie beim ersten Anschreiben, dass Sie die Kontaktdaten, die Adresse des Objekts, die Quadratmeteranzahl, möglicherweise Fotos des potentiellen Quartiers sowie die Widmung des Grundstücks im E-Mail mitschicken. Obwohl es nicht notwendig ist, ist es hilfreich, ein privates Angebot zuerst mit dem / der BürgermeisterIn abzusprechen.

Detailfragen

Welche finanziellen Beiträge haben die Gemeinden bei der Grundversorgung von AsylwerberInnen zu leisten?

Gemeinden haben bei der Grundversorgung von AsylwerberInnen keine finanziellen Beiträge zu leisten. Die gesamten Kosten werden vom Bund und den Bundesländern im Verhältnis 60:40 getragen. Der Bund trägt sämtliche Kosten, wenn die Länge des einzelnen Asylverfahrens die Dauer von einem Jahr übersteigt.

Wie kommt ein zu versorgende/r AsylwerberIn überhaupt in eine Gemeinde?

Personen, die einen Asylantrag in Österreich stellen, werden zuerst in eine Erstaufnahmestelle des Bundes oder ein Verteilerquartier des Bundes gebracht. Wenn die dortige Prüfung die Zuständigkeit Österreichs zur Aufnahme und Führung eines Asylverfahrens ergibt, wird der / die Asylwerbende in ein privates oder organisiertes Quartier eines Bundeslandes überstellt, um dort die Zeit bis zum Abschluss seines Asylverfahrens zu verbringen.

 

Wollen Sie Flüchtlinge privat unterbringen? Hier geht es zum Leitfaden für die private Unterbringung.